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Empfehlungen des SMB zur Eingruppierung an Sächsischen Museen

Stand 25. September 2024


Präambel
Museen in Sachsen haben sich in den letzten Jahrzehnten von Tempeln ehrfürchtigen Staunens zu lebendigen Orten der Interaktion gewandelt, in denen Sammeln, Forschen, Bewahren und Ausstellen ganz selbstverständlich mit Bildung, Kommunikation und Vermarktung verbunden werden. Diese Neudefinition eines erfolgreichen Museums bildet die Basis, um auch in Zukunft mit den rasanten gesellschaftlichen Wandel Schritt zu halten, hat aber gleichzeitig eine gravierende Veränderung der musealen Arbeitswelt zur Folge. So ergänzen heute DigitalmanagerInnen oder Marketing- und Kommunikationskaufmann/frau ganz selbstverständlich traditionelle Museumspositionen wie die von wissenschaftlichen Kuratoren, MuseologInnen oder AusstellungstechnikerInnen. Die auf diese Entwicklung gründende Spezialisierung und Professionalisierung führt zu einer starken Differenzierung der klassischen Tätigkeitsprofile und verlangt inzwischen für jedes Museum eine individuelle und flexible Personalstruktur, durch die das Ineinandergreifen der verschiedenen Aufgaben sowie deren inhaltliche Weiterentwicklung sichergestellt wird. In den öffentlichen Museen Sachsens sind mehrheitlich Tarifbeschäftige angestellt, die allerdings vielfach nicht adäquat eingruppiert sind.


Museumsvielfalt
Für die Bewertung der Stellenprofile stellt die Heterogenität der Museumslandschaft eine besondere Schwierigkeit dar. So unterscheidet sich das personelle Organigramm der großen renommierten Museen mit herausragenden Sammlungen, spezialisierter Forschung und internationaler Ausstrahlung deutlich von der Personalstruktur regionaler und kommunaler Museen, die als wichtiger Ankerpunkt in ihrer Region bzw. in ihrer Kommune das Kulturerbe sichern, bürgerschaftliches Engagement fördern und die regionale Identität unterstützen. Eine Vielzahl kleinerer Häuser verfügt über außergewöhnliche Spezialsammlungen mit erheblichen Forschungspotential, deren Betrieb und Personalausstattung von den Rahmenbedingungen der zumeist ländlichen kommunalen Träger geprägt sind. Die Begriffe „klein“ und „groß“ erlauben also keinen Rückschluss auf die Qualität der Sammlung oder der notwendigen Museumsarbeit. Gemeinsam ist aber allen musealen Einrichtungen, dass sie Auftrag und Ziele nur dann erfüllen können, wenn ihnen dafür auch das notwendige fachkompetente Personal zur Verfügung steht. Die Unterschiede zwischen großen, mittleren und kleineren Museen liegen daher weniger in der Qualität der Sammlungen sowie in Qualifikation oder Leistungsniveau der einzelnen Stellenprofile begründet als vielmehr im Grad der Spezialisierung. Oftmals werden in der Praxis kleinerer Einrichtungen mehrere Funktionen zu einem Tätigkeitsprofil zusammengefasst, durch freie Mitarbeitende oder externe DienstleisterInnen ergänzt, um der Aufgabenvielfalt sachkundig und professionell gerecht zu werden. Eine fachadäquate Bezahlung ist dafür in jedem Fall unabdingbar.


Fachkräftemangel
Inzwischen stellt der Fachkräftemangel eine große Herausforderung für Museen und öffentliche Verwaltungen dar. Das Defizit an qualifiziertem Personal hat eine Dimension erreicht, die vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Schon jetzt entwickelt sich ein Konkurrenzkampf zwischen den Einrichtungen, der sich in Zukunft weiter verschärfen dürfte. Besonders betroffen sind kleinere Einrichtungen und Museen im ländlichen Raum, die unter anderem aufgrund von zu niedrigen Eingruppierungen oft nur mit viel Mühe eine Stellenbesetzung erreichen können. Für Sachsen kann zusammengefasst werden: Je kleiner eine Trägerinstitution (Kommune, Verein) ist, je weiter diese von den großen städtischen Zentren entfernt liegt, desto schwieriger sind adäquate tarifgerechte Eingruppierung und Bezahlung, entsprechend weniger fair ist die Vergütung. Bei kleineren Kommunen sowie bei freien oder privaten Trägern richtet sich die Eingruppierung der Museumsmitarbeitenden teils weniger nach den Vorgaben des Tarifvertrags (Ausbildung und Verantwortungsniveau der Tätigkeiten), als nach der Vergütungspyramide der jeweiligen Träger. Mittel- und langfristig gesehen hat das zur Folge, dass Leistungsspektrum und Qualitätsniveau der Museumsarbeit nicht gehalten werden kann und besonders im ländlichen Bereich Museen aufgrund unbesetzter Stellen ihren Auftrag nur noch mit Einschränkungen erfüllen können. Die auskömmliche Finanzierung der Trägerstrukturen und eine entsprechend adäquate Vergütung der Mitarbeiter ist eine politische Frage, deren Antwort unmittelbar Auswirkung auf die kulturelle Infrastruktur in ländlichen und insbesondere in strukturschwachen Regionen hat.


Orientierung für tarifliche Eingruppierung in sächsischen Museen
Die vorliegende Empfehlung des Sächsischen Museumsbundes (SMB) orientiert sich am Leitfaden für professionelles Arbeiten des Deutschen Museumsbundes (DMB) und stützt sich damit auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sowie Manteltarifvertrag für Arbeiterinnen und Arbeiter (MTArb). Die Vorlage soll vor allem die tarifrechtliche Beurteilung der Eingruppierung und damit faire Bezahlung an Sachsens Museen nachhaltig unterstützen. Gleichzeitig bildet es die Grundlage für die Etablierung leistungsstarker musealer Einrichtungen, die für die Umsetzung ihrer individuellen Ziele auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen sind.


Förderpraxis

Die beste Vorrausetzung die tarifgerechte und faire Bezahlung in der Praxis durchzusetzen, haben die öffentlichen Förderbehörden im Freistaat Sachsen. Aufgrund der gesetzlichen Grundlage gilt das vor allem für die sächsischen Kulturräume, aber auch für die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, die Kulturstiftung und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kunst und Tourismus (SMWK) mit seinen institutionellen geförderten Einrichtungen und Förderprogrammen. Es sollte zum allgemeinen Standard gehören, dass sich alle Träger die öffentliche Förderung erhalten, in ihren geförderten Institutionen zu einer tarifgerechten Bezahlung verpflichten. Bereits jetzt setzen einige Fördermittelgeber wie die Sächsische Aufbaubank (SAB) oder das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste (DZK) in ihren Förderprojekten die tarifgerechte Bezahlung durch, sichern damit Fachpersonal und stoßen bei den jeweiligen Trägern die Diskussion dazu an, wie eine tarifgerechte Bezahlung im Bereich Museum in der Praxis aussehen muss.


Bundesweiter Leitfaden
Der Leitfaden des DMB „Professionell arbeiten im Museum“ umfasst 56 Tätigkeitsprofile mit den entsprechenden Eingruppierungsempfehlungen, die der SMB auch für die museale Praxis im Freistaat Sachsen als verbindliche Grundlage sieht. Eine Wiederholung scheint unnötig. Das vorliegende Positionspapier des SMB stellt daher nur eine sachsenspezifische Präambel zum Leitfaden des DMB dar und ist immer in unmittelbarer Verbindung mit dieser Publikation zu sehen, die kostenlos im Internet heruntergeladen werden kann:
https://www.museumsbund.de/publikationen/professionell-arbeiten-im-museum/

Eingruppierungskorridor im Bereich Museen für den Freistaat Sachsen


Stufe 1 – E 13 bis E 15


Die Leitungsebene eines Museums verantwortet die Zieldefinition des Trägers und stellt außerdem Wirtschaftlichkeit, effektive Organisation, Außenwirkung, inhaltliche Vermittlung und die Kommunikation mit den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten sicher. Grundlage dafür ist die ausgewiesene Kompetenz für die wissenschaftliche oder künstlerische Ausrichtung des jeweiligen Hauses, die mindestens einen fachadäquaten Master oder Diplom erfordert. Die Museumsleitung trägt die Verantwortung für die Entwicklung einer geeigneten Finanzstruktur, für die effektiven Personalorganisation und für die Kommunikationsstrategie nach innen und außen. In kleineren Museen ist die Museumsleitung oftmals die einzige Fachkraft. Größere Einrichtungen werden teils von einer Doppelspitze geführt. Aufgrund der Komplexität sind diese Aufgaben in den meisten Häusern aber Teamarbeit und verteilen sich auf den wissenschaftlich-organisatorischen Mittelbau, der die verschiedenen Spezialgebiete abbildet. Besonders in großen Museen ist dabei der Spezialisierungsgrad sehr hoch. Aufgrund des hohen wissenschaftlichen Anspruchs erfordert die Bearbeitung der Sammlungen für die zentralen Sammlungsgebiete des Museums ebenfalls mindestens einen fachadäquaten Master oder Diplom, genau wie die leitenden Tätigkeiten in den Bereichen Ausstellung und Vermittlung.


Museumleitung
wissenschaftliche/künstlerischer Leitung/kaufmännische Leitung
Magister- oder Masterabschluss, Diplom, Promotion
Wissenschaftliche/künstlerische/kaufmännische Leitung
Vorwiegend wissenschaftliche/künstlerische Tätigkeiten mit kaufmännischer Verantwortung


SammlungswissenschaftlerIn: Wissenschaftliche/r MitarbeiterIn, z.B. Kulturerbeforschung, Naturwissenschaft, wissenschaftliche Recherche
Magister- oder Masterabschluss, Promotion

Überwiegend wissenschaftliche Tätigkeit mit Leitungsverantwortung


AusstellungskuratorIn in leitender Funktion
Magister- oder Masterabschluss mit Sammlungsbezug, Diplom, Promotion


PressereferentIn/MarketingreferentIn in leitender Funktion
Magister- oder Masterabschluss vorzugsweise in Medien- und Kommunikationswissenschaften


DigitalmanagerIn in leitender Funktion/SammlungsmanagerIn/wissenschaftlicher DokumentarIn oder BibliothekarIn in leitender Funktion
Magister- oder Masterabschluss, Diplom oder Promotion


RestauratorIn/KonservatorIn/PräparatorIn in leitender Funktion
Magister, Master oder vergleichbarer wissenschaftlicher Hochschulabschluss


Facility ManagerIn in leitender Funktion – Vorzugsweise Ingenieurstudium


KuratorIn Bildung und Vermittlung

Magister- oder Masterabschluss vorzugsweise in einem museumsrelevanten Fach oder Lehramt mit 2.Staatsexamen
In leitender Funktion oder zuständig für Programmkonzeption

Stufe 2 – E 9b bis E12


In kleineren und mittleren Museen werden oftmals mehrere Tätigkeitsprofile in einer Funktion verbunden, damit steigt der administrative Anteil. Trotzdem bleibt ein signifikanter Anteil an wissenschaftlicher Arbeit im Bereich Sammlung und Ausstellung, welcher die entscheidende Basis für die Museumsarbeit bildet. Bei der Bewertung der Stellenbeschreibung muss daher besonders kritisch hinterfragt werden, ob für die angestrebten Tätigkeiten ein Bachelorabschluss wirklich ausreichend ist oder ob die Anforderungen des Tätigkeitsprofils vor allem durch die Summe der verschiedenen Tätigkeiten einen Masterabschluss oder eine damit vergleichbare Ausbildung erfordern. Trotzdem muss auch bei kleineren Häusern mit nur einzelnen Mitarbeitenden für die Absicherung der Öffnungszeiten und das Funktionieren der Haustechnik darauf geachtet werden, dass die administrative Leitung und das eingesetzte Fachpersonal bei entsprechender Qualifikation und Tätigkeitsprofil tarifgerecht eingruppiert wird.


Museumsleitung vorwiegend administrativ
Bachelorabschluss
Vorwiegend administrative Tätigkeit in kleinen Museen
E 10 oder E11 bei einschlägiger Zusatzqualifizierung


SammlungsmanagerIn/wissenschaftliche/r DokumentarIn/RegistrarIn/BibliothekarIn – Museologie oder einschlägiger Bachelorabschluss
E 10 oder E11 bei einschlägiger Zusatzqualifizierung
Schwerpunkt technische und organisatorische Umsetzung


AusstellungsmanagerIn
Hochschulstudium in Kultur- oder Projektmanagement oder Architektur
Schwerpunkt technische und organisatorische Umsetzung


AusstellungsgestalterIn
Hochschulstudium im Bereich Innenarchitektur, Szenografie, Architektur oder Kommunikationsdesign
Schwerpunkt konzeptionelle und organisatorische Umsetzung
Vermittlung (Museumspädagogik)
Bachelorabschluss
Konzeption und Durchführung von Vermittlungsangeboten


PressereferentIn/MarketingreferentIn/ReferentIn für digitale Medien/Online-RedakteurIn/Social Media ManagerIn/VeranstaltungsmanagerIn
Bachelorabschluss in kommunikations- oder Geisteswissenschaften

DepotverwalterIn
Hochschulabschluss in der Museologie und einer einschlägigen Fachrichtung
Schwerpunkt technische und organisatorische Umsetzung


DigitalmanagerIn
Bachelorabschluss
E 10 oder E11 bei einschlägiger Zusatzqualifizierung
Schwerpunkt technische und organisatorische Umsetzung


GrafikdesignerIn/MediendesignerIn
Bachelor oder Master in visueller Kommunikation oder Design
Künstlerischen Entwicklung und technische Umsetzung


RestauratorIn/KonservatorIn/PräparatorIn

Bachelorabschluss
E 10 oder E11 bei einschlägiger Zusatzqualifizierung

Stufe 3 – E5 bis E9


In vielen Bereichen wird das Museum von Mitarbeitenden verschiedener Ausbildungsberufe unterstützt, die oft das Rückgrat des Museums im Alltag bilden und für das Funktionieren des Museumsalltags zwischen Sammlungsbearbeitung, Ausstellungsentwicklung und Besucherbetreuung unerlässlich sind. Letztendlich gehört auch die Instandhaltung von Museumsgebäude und Ausstattung zu den Grundlagen eines reibungslosen Museumsbetriebes.


PräparatorIn
Abgeschlossene Berufsfachschule zum Präparationstechnische/r AssistentIn oder Museumstechnische/r AssistentIn mit einschlägiger Weiterbildung


MediengestalterIn/MedientechnikerIn
Berufsausbildung MediengestalterIn
Schwerpunkt technische Umsetzung


FotografIn
Berufsausbildung FotografIn


AusstellungstechnikerIn
Handwerklicher Beruf wie TischlerIn oder ModellbauerIn sowie langjährige Erfahrung in Ausstellungs- und Messebau
E 9, Stufe 3 bis 5


LeiterIn Haustechnik/ElektrikerIn/MitarbeiterIn Heizung, Lüftung, Sanitär – Berufsausbildung oder Bachelorabschluss

HaushaltssachbearbeiterIn/BuchhalterIn – Bachelor oder kaufmännische Ausbildung

MitarbeiterIn Besucherdienst/MitarbeiterIn Kasse und Information
Berufsausbildung Bürokommunikation oder kaufmännische Ausbildung

Stufe 4 – E 2 bis E 4


Besonders in kleinen bisher ehrenamtlich geführten musealen Einrichtungen ist es schon ein entscheidender Schritt, wenn ein/e MitarbeiterIn angestellt werden kann – sei es auch nur in Teilzeit – die/der Vereinsmitglieder und ehrenamtliche Helfer bei der Absicherung der Öffnungszeiten oder bei der Sichtung und Sicherung der Sammlung unterstützt. Die konkrete Qualifikation tritt bei diesem ersten Schritt eher in den Hintergrund.


HandwerkerIn/Hausdienst
Berufsausbildung


MitarbeiterIn Aufsicht/Sicherheits- und Wachdienste
Polizeiliches Führungszeugnis


MitarbeiterIn Reinigung
Ausbildung in Raumpflege


Honorarempfehlung für freie Mitarbeitende


Grundlage: Freie Mitarbeitende dürfen finanziell nicht schlechter gestellt werden als Festangestellte oder ProjektmitarbeiterInnen des Museums.
Die Basis der Berechnung eines adäquaten Honorars für die jeweilige Arbeitsphase ist das Arbeitgeberbrutto (Arbeitnehmerbrutto + ca. 21 Prozent) der entsprechenden Zeiteinheit in der Entgeltgruppe, die wie im Eingruppierungskorridor s.o. ausgeführt laut TvöD für die erbrachte Leistung anzusetzen ist. Diese Basis gilt als Netto-Betrag und enthält noch nicht die jeweils geltende gesetzliche Mehrwertsteuer.
Museum als Veranstalter: Bei Ausstellungen und Veranstaltungen werden im Museum regelmäßig KünstlerInnen (MusikerInnen, SchauspielerInnen, bildende KünstlerInnen u.ä.) anderer Sparten eingesetzt. Hier gelten die Honorarempfehlungen der jeweiligen Sparte.