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Aufforderung zum Stopp der geplanten Abgabe des Museums der Westlausitz aus der Trägerschaft des Landkreises Bautzen

Sehr geehrter Herr Landrat Witschas,
sehr geehrte Fraktionen im Landkreis Bautzen,

schockiert hat der Sächsische Museumsbund e.V. als Interessenvertretung von fast 400 Museen im Freistaat Sachsen über Medienberichte davon erfahren, dass der Kreistag im November 2026 in einem Grundsatzbeschluss die Abgabe des Museums der Westlausitz aus der Trägerschaft des Landkreises bestätigen lassen will.           

Eindringlich fordern wir Sie mit diesem Schreiben auf, den aktuell eingeschlagenen Weg unverzüglich zu beenden und zu prüfen, ob die beabsichtigte finanzielle Entlastung des Landkreises einer kritischen Prüfung wirklich Stand halten würde. Zu unserer größten Bestürzung lassen Presseberichte und bereits veröffentlichte Briefe außerdem vermuten, dass das Museum der Westlausitz von der Entwicklung überrollt wurde. Wir können nicht akzeptieren, dass solche finanzpolitischen Entscheidungen zu Lasten der Museen in Zukunft Schule machen. 

Selbstverständlich erkennt der Sächsische Museumsbund die Umstände an, in denen sich die aktuelle Entwicklung vollzog. Kommunen, Landkreise und andere Träger von Kultureinrichtungen sind ausnahmslos von den aktuellen Finanzdefiziten in Millionenhöhe betroffen.

Das Ansinnen jedoch, den angespannten Haushalt mittels der Abgabe eines Museums aus der Trägerschaft des Landkreises zu entlasten und dabei keine sichere Aussicht auf eine anderweitige Übernahme mit dem Museum gefunden zu haben, müssen wir mehr als missbilligen. 

Derzeit wurde dem Museum, seinen Mitarbeitern, allen Kooperationspartnern und zehntausenden Besuchern des Museums nur eine Botschaft vermittelt: Die Zukunft ist ungewiss, eine Schließung des Museums damit nicht ausgeschlossen.

Wir möchten festhalten: Das Museum der Westlausitz in Kamenz gehört zu den herausragenden Museen Sachsens. Das ist keine Plattitüde, sondern seit der Verleihung des Sächsischen Museumspreises im Jahr 2007 ein objektiver, landesweit anerkannter Fakt. Als erstes Museum überhaupt hatte das Haus diese Anerkennung erhalten, die eine professionelle, fachlich exzellente, publikumszugewandte und vorbildliche Museumsarbeit würdigt. Die Erfolgsgeschichte hört damit aber keineswegs auf: Bis heute bietet das Museum hochwertige Sonderausstellungen, die oft in professioneller Kooperation mit sächsischen und mitteldeutschen Museen realisiert werden und in der Fachwelt (von der Zoologie über die Archäologie bis hin zur Kulturwissenschaft) große Anerkennung genießen. Kaum muss deshalb erwähnt werden, dass das Museum der Westlausitz ein deutschlandweit geschätzter Forschungspartner ist und eine bemerkenswerte Präsenz in Forschungsprojekten entfaltet. 

Noch viel wichtiger erscheint uns jedoch, die Rolle des Museums für die Vermittlungs- und Bildungsarbeit zu betonen, die es in der Region hat. Mit zuletzt über 30.000 (!) Besuchern aller Altersgruppen hat das Museum seine exzellente Breitenwirkung mehr als bewiesen und gezeigt, dass gesellschaftliche Relevanz nicht simpel in haushälterische Zahlen übersetzt werden kann. Das gilt ganz besonders für die Bildungsarbeit des Museums, die Menschen aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus erreicht und sie durch das Jahr begleitet. Es ist uns unbegreiflich, wie dieser Baustein für die Sicherung einer hohen Lebensqualität aller Bewohner des Kreises aufs Spiel gesetzt werden kann. Allein über den Zustrom der Besucher wird deutlich, dass sich der Landkreis dieser Verantwortung nicht einfach entledigen darf. Im Gegenteil: Wir sehen in der Sicherstellung des Bildungs- und Vermittlungsangebotes eine eindeutige Kreisaufgabe. 

Wir halten abschließend fest: Das Museum der Westlausitz ist ein zentraler Player für die Menschen in der Oberlausitz und besonders im Landkreis Bautzen sowie eine höchst anerkannte Größe in der sächsischen Museumsszene und weit darüber hinaus. Deshalb fordern wir sie nochmals auf, die geplante Abstimmung mit ungewissem Ausgang nicht weiterzuverfolgen, sondern eine zukunftsweisende Lösung zu finden, die mit dem Museum gemeinsam getroffen wird. 

Wir stehen Ihnen innerhalb der kommenden Entscheidung selbstverständlich als Fachverband 
zur Seite und bitten Sie, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Mit den besten Grüßen

Für den Vorstand des Sächsischen Museumsbundes e.V. 

Dr. Peter Plaßmeyer                                      Antje Borrmann

Prof. Dr. Ronny Maik Leder                           Sina Lorbeer-Klausnitz

René Misterek                                               Kathrin Penndorf

Jan Färber                                                      Dr. Gisbert Porstmann 

Dr. Jasper von Richthofen                             Fanny Stoye 

Dr. André Thieme                                          Dr. Michael Vogt                    

Dr. Sabine Wolfram                                       Dr. Thorid Zierold